International Manufacturing-X Showcase
International Manufacturing-X Council (IMXC)
In den kommenden Jahren wird die gesamte Wertschöpfungskette zunehmend digitalisiert und integriert – von Produkt-, Produktions- und Prozessdesign bis hin zu Kundenservice vor Ort und Kreislaufwirtschaft. Kein Land, keine Initiative und kein Unternehmen kann dies allein erreichen. Die Mitgliedsländer des International Manufacturing-X Council (IMXC) fördern ein föderiertes, dezentrales und kollaboratives Datenökosystem für die intelligente Fertigung, um Resilienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Der IMXC ist ein Zusammenschluss von Partnern aus Wissenschaft, Politik und Industrie zur Förderung der IMX-Initiative. Offene Zusammenarbeit, Inklusion, Transparenz und Gleichbehandlung aller Partner innerhalb dieses Ökosystems sind dabei von zentraler Bedeutung. Der IMXC wird gemeinsam eine Agenda festlegen, einen Fahrplan für die Umsetzung konkreter Aspekte entwickeln und Verantwortlichkeiten definieren.
IMXC-Demonstrator auf der Hannover Messe
Die Hannover Messe 2026, die Weltleitmesse für die Fertigungsindustrie, fand vom 20. bis 24. April statt. Am Stand des IMXC wurde ein Showcase mit zwei Anwendungsfällen – dem Digital Battery Passport und Edge AI – demonstriert. Dieser Demonstrator entstand als Teil einer internationalen Zusammenarbeit mit 15 Ländern, die sich auf ein gemeinsames Verständnis und die Verwirklichung von Vertrauenswürdigkeit über Grenzen hinweg konzentriert.
1. Zielsetzung und Gesamtaussage
Der Showcase des IMXC demonstriert, wie anhand der Integration von Daten und Diensten über verschiedene Systeme (sowohl IT/OT wie auch über verschiedene Länder) globale Anwendungsfälle („Use Cases“) durch die Nutzung gemeinsamer Standards und eines gemeinsamen Vertrauenssystems („Federated Trust Support Use Case“) realisiert werden können.
Dabei werden internationale Partner in das Vertrauenssystem eingebunden, um prototypische Interoperabilität auf Datenebene über Ländergrenzen hinweg zu erreichen. Die 15 beteiligten Länder bearbeiten dabei vier geschäftliche Use Cases, die auf unterschiedlichen Datenquellen der Fertigung beruhen. Dadurch wird gezeigt, dass die international verprobten Standards für den Digitalen Zwilling und den vertrauensvollen Datenaustausch auch das Potenzial für zukünftige geschäftliche Anwendungen haben, um beispielsweise in der industriellen KI eingesetzt zu werden.
Im Rahmen der Kollaboration über nationale Grenzen hinweg entsteht ein durchgängiger Datenraum – die Datenintegration von der Quelle im Produktionsumfeld über die Edge-Ebene, einzelne Cloud-Lösungen, teilweise auch mit bestehenden nationalen Vertrauensräumen, bis hin zu international verhandelten gemeinsamen Vertrauensräumen, welche in ihrer Gesamtheit dargestellt werden. Der Demonstrator wurde dafür ausschließlich für vorwettbewerbliche und prototypische Demonstrationszwecke erstellt und ist technisch in einem White Paper beschrieben: https://imxc.org/wp-content/uploads/PR-IMXC-HM26.pdf.
2. Zielgruppe
Der Showcase wendet sich an internationale Entscheidungsträger:innen in der Politik, der Forschung und aus Verbänden, um die verschiedenen Aspekte der regulatorischen, technischen und betrieblichen Integration und mögliche Lösungsansätze darzustellen. Außerdem wendet er sich an Leiter:innen der Produktion und Produktintegration, indem er aufzeigt, wie die Integration über IT/OT und verschiedene Geografien realisiert werden kann.
Der Showcase wurde neben der physischen Ausstellung auf Fachmessen in Deutschland auch virtuell bei internationalen Konferenzen in Indien, Japan, China, Südkorea, Griechenland und Norwegen gezeigt, um die praktische Umsetzbarkeit der implementierten Datenraumstrukturen darzustellen.

3. Überblick der Funktionalitäten und genutzten Standards
Der Showcase realisiert die vier geschäftlichen Use Cases
- Battery Passport (Deutschland, Frankreich, Griechenland, Japan, Polen, Spanien, Südkorea, USA)
- Ski Maintenance (Österreich)
- Edge AI Management (Deutschland, Südkorea)
- Shopfloor Management (Brasilien)
sowie den Support Use Case
- Federated Trust Management (alle teilnehmenden Staaten)
sowie die Vorbereitung und Konzeptionierung durch
- Kanada, Italien, Israel, Australien, die Niederlande.
Es werden die internationalen Standards Asset Administration Shell (AAS), Open Platform Communication (OPC), Eclipse Dataspace Protocol (EDP), Industrial Information Interoperability eXchange (i3X) und W3C Verifiable Credentials genutzt, um basierend auf gemeinsamen Datenmodellen und Austauschprotokollen die Implementierung als verteiltes System darzustellen.
4. Überblick der Funktionen des Showcase
Der Showcase beschreibt einen holistischen Blick auf Datenräume. Daten werden nicht abstrakt behandelt, sondern ganz konkret am Beispiel von geschäftlichen Anwendungsfällen aus der Praxis auf einem internationalen Niveau ausgetauscht.
Die Funktionen des Demonstrators beschreiben dabei die Reise von Daten von ihrer erstmaligen Erfassung bis zur internationalen Wertschöpfung über verschiedene praktische Szenarien. Die Klammer über alle Funktionen stellt dabei das Federated Trust Management dar, das die Vertrauensquellen der beteiligten Länder über eine gemeinsame, föderierte Struktur in Interaktion treten lässt.
Auf Ebene der Produktdaten werden anhand des Batteriepasses und der Wartung von Produkten im Einsatz zwei Funktionen gezeigt, die diese Infrastruktur basierend auf etablierten Industriestandards einsetzen, um einen länderübergreifenden Datenaustausch auf sicherer und vertrauensvoller Basis herzustellen. Hierzu sind der Use Case „Battery Passport“ sowie der Use Case „Digitaler Produktpass zur Ski-Wartung“ zur Veranschaulichung implementiert.
Anhand des Digitalen Produktpasses wird etwa die digitale Nachverfolgbarkeit von der Ski-Herstellung über Service, Reparatur und Verleih bis hin zu Refurbishment und Recycling gezeigt. Ein optimales Ski-Service nach Herstellerangaben führt zu einem verbesserten Ski-Erlebnis und erhöhter Sicherheit, die weitgehende Automatisierung des Ablaufs spart Kosten. Eine dokumentierte Service-Historie schafft zudem einen transparenten Wiederverkaufswert und sorgt für längere Produktnutzung. Voraussetzung dafür ist ein zuverlässiger, vertrauenswürdiger Datenaustausch zwischen den beteiligten Unternehmen und deren Kunden. Der Use Case wurde vom österreichischen Leitprojekt PASSAT beigetragen und wird im Beitrag „Digitaler Produktpass & Datenräume: Ski-Wartung als Modellfall für digitale Wertschöpfung“ noch näher ausgeführt.
Die länderübergreifende Administration wirft Herausforderungen auf, die sich über den Use Case „Datenraumbasiertes Shopfloor Management“ lösen lassen.

5. Umsetzung und Website des Showcase
Die übergreifende Darstellung des Showcase, der Kataloge der Datenserver mit den internationalen Serverkennungen, auf denen die Credentials liegen, und der einzelnen Applikationen erfolgt auf einer Website. Sie ist der zentrale Einstieg, bei dem über Klicken auf die einzelnen Elemente Unterseiten aufgerufen werden können, und in vier Ebenen hierarchisiert:
- Overview
- Use Cases
- Catalogues
- Applications
Diese vier Ebenen werden jeweils durch einen Partner realisiert.
Die Website des Showcase ist erreichbar über: https://imxc-showcase.lni40.de/. Der Einstieg ist in Abbildung 2 aufgezeigt.

6. Federated Catalogue
Der Katalog zur Darstellung der eingereichten Verifiable Credentials der einzelnen Datenserver des Demonstrators listet alle Server und deren Attribute. Damit wird deren Validierung durch die Vertrauensanbieter dargestellt.
Zusammenfassung
Der IMXC-Demonstrator verdeutlicht die praktische Relevanz föderierter Datenräume für die industrielle Wertschöpfung. Er zeigt, wie internationale Zusammenarbeit, gemeinsame Standards und ein vertrauenswürdiges Identitäts- und Berechtigungsmanagement zusammenspielen müssen, damit Daten aus unterschiedlichen Quellen, Systemebenen und Ländern nutzbar werden. Die dargestellten Use Cases machen sichtbar, dass Datenräume nicht nur eine technische Infrastruktur darstellen, sondern eine wesentliche Grundlage für künftige geschäftliche Anwendungen in Produktion, Produktlebenszyklusmanagement, Nachhaltigkeit und industrieller KI bilden. Der Demonstrator schafft damit ein gemeinsames Verständnis für die nächsten Umsetzungsschritte und zeigt exemplarisch, wie interoperable, skalierbare und vertrauenswürdige Datenökosysteme international realisiert werden können.

CTO
LNI 4.0 e.V.

Geschäftsführer
Verein Industrie 4.0 Österreich

Distinguished Expert Digital Ecosystems


