Der Mindshift in Richtung Resilienz

Unternehmen brauchen einen Mindshift, um mit den Krisen und Veränderungen unserer Zeit umgehen zu können – vor allem aber auch, um ein gesundes und wachstumsförderndes Umfeld zu schaffen, damit Menschen vor physischen, aber auch psychischen Erkrankungen präventiv geschützt werden.

Wir brauchen ein neues Mindset, ein „Growth“-Mindset, sowie drei essenzielle Mindshifts, damit dies gelingen kann. Was damit gemeint ist und mit welcher kleinen Übung wir selbst empathischer und damit resilienter werden können, ist in diesem Beitrag nachzulesen.

 

Mehr Druck, mehr Krise
Inflation, Klimakrise, Krieg, Wirtschaftskrise, Fachkräftemangel u.v.m. – die Unsicherheiten in unserer Welt steigen rasant, und dazu kommt noch der Druck im Job, denn die nächsten wichtigen Projekte warten bereits in der Pipeline inklusive Deadline.

Bei all diesen äußeren Einflüssen, die nicht spurlos an uns vorübergehen, kommt es oft vor, dass wir auf eine ganz wichtige Person in unserem Leben vergessen: nämlich auf uns selbst. Kenne ich noch meine eigenen Bedürfnisse? Kommuniziere ich diese? Setze ich auch mal Grenzen um meiner selbst willen?

Die Arbeitswelt hat den Druck und vor allem die Geschwindigkeit in den letzten Jahren massiv erhöht – und das ohne, dass es uns aufgefallen wäre. Der Mensch ist ein sehr anpassungsfähiges Wesen, welches sich rasch auf neue Gegebenheiten einstellen kann, auch um überleben zu können.

Doch sollten wir nicht dauernd im „Überlebens-Modus“ laufen. Denn wie nun auch viele Studien und Statistiken zeigen (Der Standard berichtete darüber schon im Jahr 2019 https://www.derstandard.at/story/2000104128244/burnout-nur-52-prozent-der-oesterreicher-sind-gesund) ist in den letzten Jahren speziell die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen stark angestiegen. Depression, Burn-out, Angstzustände etc. haben es vom kleinen Backstage-Raum auf die große weite Bühne geschafft.

 

Wie lautet die Antwort?
Es braucht also dringend eine Antwort, eine neue Einstellung, wie wir mit den Veränderungen in der Arbeitswelt, aber auch mit den Krisen in unserer Welt umgehen können. Letztere sind oft weniger durch uns selbst beeinflussbar, doch die Auswirkungen in unserem Umfeld umso mehr spürbar. Unternehmen sind hier besonders gefordert, ihre eigene Kultur zu überdenken: Wie geht man mit Personen um, deren Terminkalender ein einziger Block ist, der keine freie Zeit zulässt? Wie spreche ich mit Personen, die darüber klagen, dauerhaft im Stress zu sein? Sehe ich über diese Fälle hinweg und denke mir: Gut so, denn das spricht für Produktivität!

Oder schaue ich hin und hinterfrage diese Fälle bzw. setze ich Maßnahmen dagegen? Leider wird in vielen Organisationen noch ein altes Mindset gelebt, mit dem man selbst oft die eigenen Grenzen und Möglichkeiten überschreitet, weil es das Arbeitsumfeld erfordert. Es bleibt nichts anderes übrig, als „mit dem Strom zu schwimmen“, denn sonst ist man ganz schnell weg, und der Karrieretraum zerplatzt wie eine Seifenblase.

 

Die drei essenziellen Mindshifts
Um eine Organisation/ein Unternehmen und die Menschen resilienter in Bezug auf die Krisen und Veränderungen unserer Zeit zu machen, braucht es mehr als nur das Bewusstsein dafür, dass es so, wie es gerade ist, nicht weitergehen kann.

Es braucht einen Shift, also einen Austausch, weg vom alten „fixed“ Mindset, hin zu einem neuen „Growth“-Mindset. Konkret bedeutet dies, weg von starren Strukturen (auch im Kopf), von „Scheuklappen“, von „Entweder/Oder“, von „Recht haben“ und weg von „Bedingungen stellen“. Stattdessen brauchen wir ein Hinwenden zu flexiblen Strukturen, Kreativität, „Sowohl als auch“, Verständnis sowie Freiheit.

Es geht also nicht darum, das Alte weiterzuentwickeln und besser zu machen, sondern die alten Werte müssen durch neue ersetzt und auch erlebbar gemacht werden. Im Grunde verlangt dieser Prozess drei essenzielle Mindshifts:

  • Mentale Flexibilität
    Die Fähigkeit, Unerwartetes gewinnbringend nutzen zu können.
  • Emotionale Intelligenz
    Die Fähigkeit, mit Emotionen nicht identifiziert zu sein.
  • Ambiguitätstoleranz
    Widersprüchen wohlwollend zu begegnen und sie förderlich zu verarbeiten.

Diese Mindshifts werden in einem gesamtheitlichen Kulturprozess angestoßen, der natürlich seine Zeit braucht und nicht in ein paar Monaten abgeschlossen sein kann. Ein Shift bedeutet mehr, als nur hier und da ein Pflaster zu kleben. Er verlangt, die (Arbeits-)Welt und die eigene Rolle/Position darin neu zu denken und zu sehen.

Und es beginnt immer bei uns selbst: Denke ich mir beispielsweise oft, dass die Welt um mich herum so sein soll, wie ich sie will, denn erst dann ist sie gut – dann bin ich noch sehr im alten Mindset verhaftet. „Growth“, also Wachstum, braucht Rahmenbedingungen, also eine wohlwollende Kultur, um sich entfalten zu können.

Und jede:r von uns hat es selbst in der Hand, auch wenn uns oft nur ein kleiner Rahmen zur Verfügung steht, diesem Mindset den Raum zu geben und es zu leben.

 

Die emotionale Intelligenz als Gamechanger
Wie vorhin schon erwähnt, meint emotionale Intelligenz, die Fähigkeit, nicht mit Emotionen identifiziert zu sein. Man lässt sich also weniger aus der Ruhe bringen, weil man das große Ganze im Blick hat und nicht diesen einen emotionalen Moment.

Es geht hier konkret um ein neutrales Beobachten, durch welches man den Verhaltensstil der anderen erkennt. Wichtig dabei ist, eine positive Grundeinstellung (niemand meint es absichtlich böse) zu haben und auf zwischenmenschliche Bedürfnisse einzugehen – also die Lebensrealität des/der anderen anzuerkennen. Durch diese neutrale Haltung ist es uns möglich, in die Performance zu gehen, da wir unsere Handlungsfähigkeit nicht durch eine emotionale Haltung verlieren.

Machen wir uns öfter bewusst: Kein Gefühl verlangt eine Reaktion! Ein Gefühl ist im Gegensatz zur Emotion eine bewusste körperliche Wahrnehmung (z. B. Schmerz, Wärme, Enge etc.). Eine Emotion dagegen ist die Reaktion auf Gefühle, welche nach außen sichtbar ist und häufig unbewusst ausgelebt wird.

Als Beispiel kann hier Leid angeführt werden: Es liegt in meiner Hand, wie ich mit dem Leid nach dem Schmerz umgehe. Gehe ich tagelang in Selbstmitleid unter, oder durchschaue ich diesen Vorgang, diesen Prozess und erkenne an, dass jedes Gefühl seine Berechtigung hat, aber kommt und wieder geht? Bei Letzterem sprechen wir von emotionaler Intelligenz.

Wie kannst Du Deine emotionale Intelligenz trainieren? In Konfliktsituationen hilft beispielsweise diese Übung, die sich „Empathie stärken“ nennt:

  1. Beruhige Deine Gedanken.
  2. Lenke Deine Aufmerksamkeit auf Dein Gegenüber (Neutralität stärken).
  3. Stelle Dich auf Dein Gegenüber ein, nimm sie/ihn wahr („Entdecker:innen-Haltung“).
  4. Lasse Deine Gefühlssensoren arbeiten: Was spürst Du?
  5. Du wirst Dein Gegenüber spüren: Wie geht es dem/der anderen?
  6. Du bist keine Projektionsfläche (für z. B. Wut) für Dein Gegenüber mehr.

Viel Spaß beim achtsamen Trainieren und vergiss nicht: Die Welt muss nicht von Dir gelöst werden!

Andrea König
Mag. Andrea König, BA

Als Soziologin & Business Coach hat sich Andrea König mit ihrem Blog „Karrieregeflüster | Dein Trend-Echo aus der neuen Arbeitswelt“ zum Ziel gesetzt, New Work erlebbar zu machen. Seit über zehn Jahren ist sie bereits im Bereich Human Resources im Umfeld eines Großkonzerns tätig. Dabei hat sie schon zahlreichen Menschen geholfen, sich in der neuen Arbeitswelt entwickeln und entfalten zu können. Ihren Antrieb holt sie sich aus ihrem Gespür für Trends & gesellschaftsrelevante Themen, sowie ihrer Empathie und Leidenschaft für die Arbeitswelt der Zukunft.

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