OVE Fem-Interview mit Ulrike Haslauer

Ulrike Haslauer hat 1989 den elterlichen Betrieb und damit Führungsverantwortung im Unternehmen compact electric übernommen. Im OVE Fem-Interview spricht die studierte BWLerin mit zahlreichen technischen Zusatzqualifikationen über Meilensteine und Herausforderungen, über das „Besondere“ am Schaltschrankbau, ihre Rolle als Frau an der Spitze eines technischen Unternehmens und ihre Definition von Erfolg.
Außerdem gibt sie Einblicke in ihr ehrenamtliches Engagement und lässt uns wissen, wie sie dieses mit ihrem Berufs- und Privatleben in Einklang bringt.
Mit Haltung, Qualität und Zusammenhalt zum Erfolg
OVE Fem: Sie haben das Familienunternehmen im Alter von nur 20 Jahren mit 19 Mitarbeitern übernommen. Nach kräftigem Wachstum stehen Sie heute an der Spitze eines Unternehmens mit 80 Mitarbeiter:innen und rd. 12 Mio. € Umsatz. Welche Meilensteine waren für Sie besonders prägend?
Ulrike Haslauer: Der Generationenwechsel 1990 war sicher der prägendste Schritt: Nach dem Tod meines Vaters haben meine Mutter und ich Verantwortung übernommen und das Unternehmen weitergeführt. Gemeinsam mit unserem Team haben wir compact electric zum Steuerungs- und Schaltschrank-Spezialisten entwickelt und auch den MSR-Bereich konsequent ausgebaut.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein war der Umzug 2017 nach Wien-Liesing. Dadurch konnten wir deutlich größer und effizienter arbeiten – von Gebäudeleittechnik für große Logistikflächen bis hin zu komplexen MSR-Lösungen.
Und 2025 wurde compact electric Teil der Klenk & Meder-Gruppe – ein wichtiger Schritt, um das Unternehmen langfristig gut aufzustellen.
OVE Fem: Seit Juni 2025 ist compact electric Teil der Klenk & Meder-Gruppe. Was waren die ausschlaggebenden Gründe für diesen Schritt – und welchen Mehrwert bringt diese Verbindung für Ihr Unternehmen und Ihre Kund:innen?
Haslauer: compact electric ist mein Lebenswerk – deshalb war mir wichtig, die Zukunft des Unternehmens mit einem Partner zu sichern, der unsere Werte teilt. Mit Herbert Klenk und der Klenk & Meder-Gruppe hat das sofort gepasst: zwei Familienunternehmen, ein gemeinsames Wertefundament und technische Kompetenzen, die sich sehr gut ergänzen.
Intern gewinnen wir durch Know-how-Transfer und gemeinsame Strukturen. Für unsere Kund:innen bedeutet es: mehr Möglichkeiten, gebündelte Kompetenz und gesamte Gebäudetechnik aus einer Hand – bis hin zur schlüsselfertigen Umsetzung mit einem Ansprechpartner.
OVE Fem: Sie haben BWL studiert, sich zahlreiche Zusatzqualifikationen im Bereich der Elektrotechnik angeeignet und technische Auslandspraktika absolviert. In welchem Verhältnis stehen wirtschaftliche und technische Fragestellungen in Ihrer täglichen Praxis?
Haslauer: Für mich gehören Wirtschaft und Technik untrennbar zusammen. Gute technische Lösungen müssen auch wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar sein – und umgekehrt brauchen wirtschaftliche Entscheidungen technisches Verständnis.
OVE Fem: Was macht die beiden Leistungsbereiche, für die Ihr Unternehmen steht – Schaltschrankbau und Entwicklungselektronik – so besonders spannend?
Haslauer: Im Schaltschrankbau zählen Präzision, Erfahrung und Verlässlichkeit; in der Entwicklungselektronik kommen Kreativität und Lösungsdenken dazu. Ein gutes Beispiel ist unser Netzüberwachungsrelais CDMRN-Connect: ein kleines Gerät auf der Hutschiene, das laufend Spannung, Frequenz und Phasenlage überwacht. Wenn Werte außerhalb der zulässigen Grenzen liegen, steuert das Relais den Kuppelschalter an und trennt die Anlage sicher vom öffentlichen Netz – für einen sicheren Netzbetrieb.
Wir entwickeln, fertigen und prüfen in Wien – von der Kleinserie bis zur Großanlage, immer maßgeschneidert. Aktuell arbeiten wir etwa an einem Wasserstandsmessgerät für Aufzugsschächte. Besonders spannend ist bei beiden Bereichen die Nähe zur Praxis: Wir entwickeln und bauen Lösungen, die konkret gebraucht werden und im Alltag echten Nutzen bringen.
OVE Fem: KI und Robotik sind die großen Gamechanger unserer Zeit: Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz schon heute in Ihrem Unternehmen? Und: Welche Prozesse lassen sich Ihrer Meinung nach in Zukunft noch stärker automatisieren?
Haslauer: Wir arbeiten bereits sehr digital – von CAD/CAE über SPS-Programmierung bis zu Datenlogging und Dashboards. KI prüfen wir dort, wo sie echten Nutzen bringt, etwa bei Dokumentation, Analyse oder Anomalieerkennung. Automatisierung sehe ich vor allem in Planung, Fertigung und Qualitätssicherung.
OVE Fem: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Faktoren für nachhaltigen Erfolg in einem technischen Unternehmen?
Haslauer: Entscheidend sind ein starkes Team, fachliche Kompetenz und dass alle mit Leidenschaft bei der Sache sind. Dazu kommen Qualität, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, ständig dazuzulernen. Technik verändert sich schnell – da muss man neugierig bleiben und praktische Lösungen finden. Bei compact electric gilt: „Geht nicht, gibt’s nicht.“
OVE Fem: Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben, und wie hat er sich im Laufe Ihrer Karriere verändert?
Haslauer: Ich führe klar, persönlich und mit viel Vertrauen ins Team. Mit den Jahren lernt man, nicht alles selbst machen zu müssen. Wichtig sind mir Verantwortung, Menschlichkeit und gemeinsame Ziele.
OVE Fem: Wie erleben Sie Ihre Rolle als Frau in einer traditionell noch immer männlich geprägten Branche?
Haslauer: Kompetenz ist für mich geschlechtsneutral. Man muss aber klar sagen: Frauen sind in technischen Berufen nach wie vor unterrepräsentiert. Deshalb ist es mir wichtig, Mädchen und junge Frauen für Technik zu begeistern und ihnen zu zeigen, wie vielseitig und spannend diese Berufe sind.
Ich engagiere mich bei „Techniker*innen von Morgen“. Dort können Jugendliche technische Lehrberufe ganz praktisch erleben – heuer im Donau Zentrum mit Mitmach-Stationen, direktem Austausch mit Lehrlingen und Einblicken in Mechatronik, Metall- und Fahrzeugtechnik. Solche Formate braucht es, damit Technik greifbar wird und Mädchen sehen: Das kann auch mein Weg sein.
OVE Fem: OVE Fem hat im vergangenen Jahr ein Mentoring-Programm gestartet, das gezielt unterschiedliche Generationen und Karrierephasen miteinander vernetzt und den Austausch von Erfahrungen fördert. Waren Sie selbst bereits als Mentorin oder Mentee Teil eines solchen Formats – falls ja, welche Erkenntnisse haben Sie daraus mitgenommen?
Haslauer: Ja, ich bin Mentorin im Club alpha und gebe dort meine Erfahrungen weiter – vor allem zu Frauen in Führungspositionen, Frauen in technischen Unternehmen, Fachkräftemangel, ESG und Zukunftsthemen.
Mir ist wichtig, Frauen den Rücken zu stärken, sie aktiv zu unterstützen und ihnen Mut zu machen, ihren Weg zu gehen. Mentoring ist für mich keine Einbahnstraße: Man gibt Erfahrung weiter, bekommt aber auch neue Perspektiven zurück. Genau dieser Austausch zwischen Generationen und Karrierephasen ist unglaublich wertvoll.
OVE Fem: Sie engagieren sich in zahlreichen Gremien, Ausschüssen und Organisationen – unter anderem in der Landesinnung Wien für Mechatronik sowie als Präsidentin der GMAR, der Gesellschaft für Mess-, Automatisierungs- und Robotertechnik. Was treibt Sie an?
Haslauer: Mir ist wichtig, Entwicklungen nicht nur zu beobachten, sondern aktiv daran mitzuwirken und mich für unsere Branche einzusetzen. Gleichzeitig geht es mir auch um den Standort Österreich: Wir haben viel Kompetenz, Innovationskraft und engagierte Betriebe. Dafür möchte ich mich einbringen und Rahmenbedingungen schaffen, die Technik, Ausbildung und Wirtschaft stärken.
OVE Fem: Was bedeutet Erfolg für Sie persönlich?
Haslauer: Erfolg bedeutet für mich, Zukunft zu sichern – für das Unternehmen, für unsere Mitarbeiter:innen und für unsere Kund:innen. Es geht nicht nur um Wachstum oder Zahlen, sondern auch um Haltung, Qualität und Zusammenhalt.
OVE Fem: Wie gelingt es Ihnen, Beruf, ehrenamtliches Engagement und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen? Wie finden Sie Ausgleich, was hilft Ihnen, abzuschalten?
Haslauer: Beruf, ehrenamtliches Engagement und Privatleben sind für mich keine getrennten Welten – sie gehören alle zu mir und greifen oft ineinander. Unternehmertum ist bei uns Familienkultur, Geschäftsthemen unterm Weihnachtsbaum inklusive. Mich freut es auch, wenn ich mit meiner Tochter, die im Eventmanagement tätig ist, ein berufliches Projekt umsetzen kann.
Ausgleich finde ich vor allem in der Musik. Diese Leidenschaft nehme ich auch ins Unternehmen mit: Unsere Firmenband C.E.L.O. steht bei jeder Feier auf der Bühne. Und vieles, was Musik ausmacht, gilt auch im Beruf: Man muss gut zusammenspielen, Taktgefühl beweisen und mit Leidenschaft bei der Sache sein.



