e+i aktuell: Dekan Martin Horn im Interview über Wandel, Wachstum und Zukunftsthemen des ETIT TU Graz
50 (+ 1) Jahre sind Anlass genug, sich auch einmal feiern zu lassen. Die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik (ETIT) an der TU Graz hat dies Mitte Juni gemacht. Im Gespräch mit der e+i Redaktion blickt Martin Horn, aktueller Dekan der Fakultät, auf die ersten fünf Jahrzehnte zurück und berichtet über Zukunftspläne.
e+i: Die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Graz feierte im Juni ihr 51-jähriges Bestehen – wie geht es der Fakultät heute?
Martin Horn: Aus meiner Sicht geht es der Fakultät gut, was sich nicht zuletzt an den aktuellen Neubesetzungen zeigt, zum Beispiel am Institut für Elektrizitätswirtschaft und Energieinnovation oder am Institut für Kommunikationssysteme; am Institut für Grundlagen und Theorie der Elektrotechnik haben wir eine neue Stiftungsprofessur im Bereich Akustik für Lärmwirkungsforschung.
Für die Fakultät ist es sehr positiv, dass wir aktuell offensichtlich attraktiv für stiftende Firmen sind, etwa auch im Bereich der Halbleiterindustrie. Wir konnten in letzter Zeit auch etliche neue Laufbahnprofessuren besetzen, beispielsweise zwei Field-of-Expertise-Laufbahnstellen in den Bereichen Sustainable Systems und Mobility. Es ist somit eine Art Generationenwechsel in der Fakultät vollzogen worden, der sich in einem sehr guten und konstruktiven Arbeitsklima und in einem frischen Wind manifestiert.
Sehr viel Positives hat sich in letzter Zeit auch bei den Studienrichtungen getan. Zunächst einmal haben wir das Studium Elektrotechnik umbenannt, es heißt jetzt Electrical and Electronics Engineering. Das Master-Studium ist inzwischen bereits englischsprachig, was mir sehr wichtig war – und es zeigt sich, dass wir damit einen richtigen Schritt gesetzt haben: Wir bekommen jetzt schon viel mehr Anfragen von internationalen Studierenden.
Das Toningenieurstudium wurde in Form des Studiums AMIE – Acoustics, Music and Information Engineering weiterentwickelt. [...]
e+i: Inwiefern hat sich die Fakultät in diesen fünf Jahrzehnten verändert, und auf welche Höhepunkte kann zurückgeblickt werden?
Horn: Die Fakultät ist deutlich größer geworden und fachlich breiter aufgestellt, das ist auch an der Zahl der Institute zu sehen. Wir haben aktuell zwölf Institute und 19 berufene Professuren, es gibt also an vielen Instituten mehrere Professuren, was eine der ganz wesentlichen Veränderungen der letzten Jahre ist und viele Vorteile mit sich bringt, u. a. viele Synergien zwischen den einzelnen Gruppen, wodurch wiederum Ressourcen gespart werden. Die Anzahl an weiblichen Kolleginnen ist noch nicht so hoch wie wir es uns wünschen würden, mit fünf Professorinnen ist aber zumindest eine gute Entwicklung sichtbar.
Zu den Highlights der vergangenen Jahrzehnte zählt auf jeden Fall, dass ETIT die Fakultät an der TU Graz ist, an der es die meisten CD-Labors gibt. Außerdem ist in unserer Fakultät der erste grenzüberschreitende Sonderforschungsbereich des FWF zwischen TU Graz und TU Darmstadt angesiedelt. Extrem erfreulich war natürlich auch der ECR-Grant von Sonja Wogrin. [...]
e+i: Der Bedarf an hochqualifizierten Techniker:innen in den Zukunftsthemen der Elektro- und Informationstechnik steigt laufend an – welche Aktivitäten setzt Ihre Fakultät, um die Elektrotechnik (wieder) attraktiver zu machen?
Horn: Im Prinzip setzen wir auf drei Ebenen Aktivitäten. Zum einen gibt es das Angebot der Universität, die mit ihrer Abteilung für Marketing und Kommunikation zum Beispiel Videos zu den einzelnen Studienrichtungen dreht und auf der Universitäts-Website Werbung macht. Das hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt.
Auf Fakultätsebene investieren wir jährlich einen namhaften Betrag in eine eigene Öffentlichkeitsarbeitsgruppe mit einer breiten Palette an Aktivitäten. Neben Schulbesuchen und Messeauftritten veranstalten wir etwa seit ein paar Jahren die Graz Electrical Engineering Days, kurz GEED, die dankenswerterweise auch vom OVE auf unterschiedliche Weise unterstützt werden. Bei den Schulbesuchen ist es uns ein besonderes Anliegen, Schüler:innen an AHS zu zeigen, dass die TU nicht nur für HTL-Absolvent:innen, sondern auch für sie ein gutes Pflaster ist.
Die dritte Ebene sind die Institute, die u. a. mit Open-Lab-Aktivitäten Schüler:innen zu sich einladen. [...]
e+i: Aus aktuellem Anlass: Die von der Regierung geplanten Budget-Kürzungen im Universitätsbereich haben unlängst für einen großen Aufschrei gesorgt. Welche Auswirkungen würden diese Kürzungen aus Ihrer Sicht haben?
Horn: Wenn sie so kommen, wie in den Medien kolportiert wurde, ist es ein Kahlschlag, das ist ganz klar. Das Umsetzen der Kürzungen, wie sie jetzt einmal im Raum stehen, hätte zur Folge, dass es für die TU Graz nicht einmal reichen würde, alle 450 Universitätsassistent:innen-Stellen zu streichen, um dieses Minus auszugleichen. Das wäre, gelinde gesagt, eine Katastrophe. [...]
e+i: Die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik kooperiert schon seit Langem erfolgreich mit dem OVE – was würden Sie sich für die weitere Zusammenarbeit wünschen?
Horn: Ich kann mir prinzipiell alles vorstellen! Wenn wir in die Vergangenheit schauen, kann ich sagen, dass es schon großartig wäre, wenn es so weitergehen würde. Auch wenn ich persönlich nicht in ganz viele Dinge involviert war, so habe ich doch mitbekommen, dass die Zusammenarbeit mit dem OVE extrem angenehm, unkompliziert und auch fruchtbringend war und ist.
Was ich mir im Wesentlichen wünschen würde, ist eine gewisse Kontinuität der Zusammenarbeit, vor allem wenn es darum geht, den Nachwuchs zu adressieren und das Berufsbild von Elektrotechniker:innen geradezurücken. Aktivitäten wie die gemeinsame Brancheninitiative Join the Future oder die OVE-eigenen Nachwuchsinitiativen, die sich an Schüler und vor allem auch Schülerinnen wenden, setzen genau dort an. [...]
Das vollständige Interview mit Martin Horn lesen Sie in der neuen Ausgabe unserer Verbandszeitschrift e+i. Als OVE-Mitglied finden Sie die digitale Ausgabe in Ihrem persönlichen Login-Bereich unter "Mein OVE/Mitgliedschaft".

