Data Spaces – Season 2
Die Diskussion rund um Datenräume hat in den letzten Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen. Getrieben durch Digitalisierung, steigende regulatorische Anforderungen und den zunehmenden Einsatz von KI rückt der Wert von Daten immer stärker in das Bewusstsein der Unternehmen. Die Herausforderung dabei ist aber, dass Daten sich in den seltensten Fällen direkt monetarisieren lassen. Vielmehr sind sie eine eigenständige strategische Ressource, die Wertschöpfung auf vielen anderen Ebenen ermöglicht – sei es als Basis für funktionierende Kreislaufwirtschaftssysteme oder die effiziente Zusammenarbeit von Herstellern in spezifischen Industriebereichen. Um diese Potenziale zu heben, reicht es längst nicht mehr, eine spezifische Technologie einzusetzen, sondern es braucht gemeinsame Prozesse, Standards und Vereinbarungen, um das Zusammenspiel und Vertrauen zwischen den Marktteilnehmern zu stärken. Damit wird die Grundlage für Investitionen und damit auch für neue Geschäftsmodelle gelegt.
Vor diesem Hintergrund entstehen zahlreiche Initiativen und Konzepte, die auf den ersten Blick fragmentiert wirken: Data-Mesh-Ansätze zur internen Organisation von Daten, sektorale und europäische Datenräume, Cloud- und Souveränitätsinitiativen sowie eine zunehmende Anzahl an konkreten Umsetzungsprojekte in einzelnen Domänen. Diese Vielfalt wird häufig als mangelnde Koordination wahrgenommen. Tatsächlich ist dies jedoch Spiegelbild der wachsenden Dynamik in diesem Bereich und des gemeinsamen Bestrebens, Daten über System-, Organisations- und Ländergrenzen hinweg gemeinsam sicher, kontrolliert und zielgerichtet zu nutzen.
Entscheidend ist dabei weniger die Vereinheitlichung aller Initiativen, sondern deren Zusammenspiel. Viele dieser Ansätze adressieren unterschiedliche Fragen: Data Mesh fokussiert auf Verantwortlichkeiten und Datenprodukte innerhalb von Organisationen, Datenräume schaffen Rahmenbedingungen für den vertrauensvollen Austausch zwischen Organisationen, und die diversen Umsetzungsprojekte und -initiativen schaffen konkrete Anwendungsbeispiele und liefern praktisches Erfahrungswissen zurück in die gemeinsame Entwicklung. Was lange gefehlt hat, ist ein verbindendes Element, um das Vertrauen zwischen den unterschiedlichen Akteuren unabhängig vom verwendeten Technologie-Stack sicherzustellen.
Hier setzt Gaia-X als gemeinsamer Vertrauens- und Ordnungsrahmen an. Gaia-X versteht sich nicht als Plattform oder Datenraum, sondern als horizontale Schicht, die bestehende Standards, Identitäten und Compliance-Mechanismen maschinenlesbar und interoperabel macht.
Dadurch können unterschiedliche Initiativen, Technologien und Domänen miteinander verbunden werden, ohne ihre spezifischen Anforderungen oder Autonomie aufzugeben. Vertrauen, Compliance und Souveränität werden dabei nicht neu definiert, sondern durch konkrete technische und organisatorische Mechanismen, wie verifizierbare Identitäten, automatisierte Konformitätsprüfungen und gemeinsame Semantiken, operationalisierbar und skalierbar gemacht.
Diese Ausgabe des OVE-GIT-Newsletters beleuchtet das Thema Datenräume aus mehreren Perspektiven: Der erste Beitrag ordnet die Rolle von Gaia-X ein und zeigt, wie ein gemeinsamer Vertrauens- und Ordnungsrahmen unterschiedliche Initiativen, Technologien und Domänen miteinander verbindet, ohne bestehende Strukturen zu ersetzen.
Der zweite Beitrag widmet sich dem Data-Mesh-Ansatz als organisationsinternem Ordnungsprinzip für Datenprodukte und Data Governance und spannt den Bogen vom unternehmensinternen Umgang mit Daten hin zu organisationsübergreifenden Datenräumen.
Abschließend werden im Beitrag zu „Manufacturing Data Space“ anhand des UNDERPIN-Projekts Datenräume im industriellen Umfeld beleuchtet. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, wie KI-basierte Anwendungen (etwa zur prädiktiven Wartung) unter Wahrung von Datensouveränität, Interoperabilität und Governance gestaltet werden können.
Gemeinsam machen die Beiträge deutlich, dass Datenräume kein isoliertes Konzept sind, sondern Teil eines größeren digitalen Gefüges. Erst im Zusammenspiel von internen Datenarchitekturen, sektoralen Anwendungen und übergreifenden europäischen Rahmenwerken entsteht eine belastbare Grundlage für eine digitale Zukunft, in der Innovation, Regulierung und Vertrauen Hand in Hand gehen.



