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Em. O. Univ.-Prof. Dr. Werner Rieder – der „Schalterpapst“

fotoEm. O. Univ.-Prof. Dr. Werner Rieder (*1919, † Februar 2006) hat über mehr als fünf Dekaden das Gebiet der elektrischen Schaltgeräte mit außergewöhnlicher Nachhaltigkeit geprägt.
Nur wenigen Menschen ist beschieden, bis ins hohe Alter, in voller geistiger und körperlicher Frische mit Energie und Enthusiasmus einer Tätigkeit nachzugehen, welche Beruf und Hobby gleichermaßen verbindet. Em. O. Univ.-Prof. Dr. Werner Rieder gehörte zu diesen Glücklichen.
Seine exzellente wissenschaftliche Forschung hat das Gebiet der elektrischen Schaltgeräte über mehr als fünf Dekaden mit außergewöhnlicher Nachhaltigkeit geprägt. Seien es Probleme um die Physik der elektrischen Kontakte, Errungenschaften im Verständnis des elektrischen Schaltlichtbogens oder als Pionier beim Verstehen des Abstandkurzschlusses und die damit verbundenen Phänomene um den Strom-Nulldurchgang – überall taucht bis heute mit Regelmäßigkeit anerkennend der Name Rieder in den internationalen Gremien und Konferenzen auf. Er war einer der ganz Großen in diesem Fachgebiet, von vielen Forschern und Ingenieuren oftmals scherzhaft als „Schalterpapst“ bezeichnet. Während der letzten 33 Jahre als Hochschullehrer hat es Werner Rieder meisterhaft verstanden, die oftmals schwierige Brücke zwischen Industrie und Universität zu schlagen, was ihm auch die bedingungslose Anerkennung und Unterstützung beider Seiten einbrachte. Die Qualität und Signifikanz seiner Forschungsarbeit steht außer Zweifel und wird auch durch verschiedenste nationale und internationale Auszeichnungen, so etwa den „Ragnar Holm Scientific Award“, den „Albert Keil Preis“ und vor allem das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, manifestiert.

Werner Rieder war nicht nur ein beispielhafter Wissenschaftler, sondern auch ein großartiger Lehrer und Lehrmeister. Während seiner Tätigkeit in der österreichischen und schweizerischen Industrie und ab 1973 als Inhaber des weltweit einzigen Lehrstuhls für elektrische Schaltgeräte hat er rund fünfzig Doktoranden zur Dissertation geführt. Mit dieser hohen Anzahl von so genannten „Rieder-Schülern“ hat Werner Rieder die Fachwelt über drei Generationen nachhaltig positiv beeinflusst. Manche davon sind schon lange pensioniert oder knapp vor der Pension stehend, andere gerade erst mit einem frischen Doktorhut in die Industrie eingetreten. Alle haben aber etwas gemeinsam, nämlich tiefen Respekt und Bewunderung für sein logisches Denkvermögen, seine methodische, zielbewusste Arbeitsweise und die effiziente und selbstlose Art, sein Wissen weiterzugeben. Seine natürliche Autorität hat es nie erfordert, die Position als Vorgesetzter zur Sprache zu bringen – er war der Chef. Trotz des Ernstes, den erfolgreiche wissenschaftliche Forschung erfordert, hatten seine Argumentation und Motivation stets eine erfrischende, humorvolle Seite. Seine ehemaligen Mitarbeiter und Doktoranden denken heute mit Anerkennung und Dankbarkeit zurück, konnten Sie doch neben den fachlichen Belangen viel Nützliches für ihr weiteres Berufsleben mitnehmen. Fähigkeiten, wie etwa methodisches Arbeiten, Effizienz beim Verfassen von Berichten, Führungskompetenz und vor allem Hingabe und Enthusiasmus für das Forschen, – eine Basis, die vielen eine respektable Karriere in Industrie und/oder Hochschule erleichtert hat.

Prof. Werner Rieder-Preis
Die Initiatoren des „Prof. Werner Rieder-Preises“ sind überzeugt, dass dieser Umgang mit dem Themenkreis Forschung – Lehre – industrielle Anwendung gerade jetzt von größter Bedeutung ist. In unzähligen Gremien, Arbeitsgruppen, Seminaren usw. wird um Modelle gerungen, wie unsere industrielle Position weiterzuentwickeln ist. Wissen und Ausbildung sind hier wesentliche – wahrscheinlich die entscheidenden – Erfolgsfaktoren. Werner Rieder hat schon einmal gezeigt, wie es geht.

Mit diesem Preis soll erreicht werden, dass sein Konzept auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur technologischen Weiterentwicklung leisten kann. Preisträger, die sich durch ihre Arbeiten im sehr breiten Themenbereich der Schaltgeräteforschung ausgewiesen haben, sollen durch diese Anerkennung zusätzlich motiviert werden, mit Enthusiasmus, Faszination und wissenschaftlicher Neugier diese Thematik auch künftig weiterzuentwickeln – ganz im Sinne von Em. O. Univ.-Prof. Dr. Werner Rieder.


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