09. Oktober 2007

Fachkräftemangel in Österreich:
Ingenieurinnen und Ingenieure - gefragter denn je

9. 10. 2007: OVE lud zur Podiumsdiskussion:

Der Mangel an qualifizierten Fachkräften stellt eine große Bedrohung für den Wirtschaftsstandort Österreich dar, die nicht unterschätzt werden darf. Der Österreichische Verband für Elektrotechnik (OVE) lud aus diesem Anlass am 9. Oktober 2007 zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion.

Rasche Maßnahmen gefragt
Wie der Präsident des OVE, Dr. Günther Rabensteiner, in seiner Eröffnungsansprache ausführte, gliedert sich diese Podiumsdiskussion in jene Reihe von Veranstaltungen der letzten Wochen und Monate ein, die zu raschen Maßnahmen auffordern, um dem Technikermangel in unserer Wirtschaftsregion erfolgreich entgegenzutreten. Diese Veranstaltung des OVE soll dazu beitragen, die oft zu allgemein geführte Diskussion zum Fachkräftemangel spezifisch für den Bereich der Ingenieurinnen und Ingenieure aus der Sicht der Wirtschaft, der Ausbildungsinstitutionen, der Bildungs- und Ausbildungspolitik und der Interessensverbände zu beleuchten. Dazu ist es gelungen, namhafte Repräsentanten dieser Bereiche auf das Podium einzuladen. Mit der Anwesenheit des Präsidenten des deutschen Schwesterverbandes VDE, Herrn Prof. Dr. Josef Nossek, wurde die Verbindung zum deutschen Arbeitsmarkt hergestellt und die internationale Vernetzung des OVE unterstrichen.

Ursachen sind bekannt
In der Diskussion zeigte sich deutlich, dass die Ursachen des Ingenieurmangels längst bekannt sind: Argumente wie die in der Gesellschaft vorherrschende Technikskepsis, eine zu geringe Frauenquote, oftmals kein Zugang zu technisch-naturwissenschaftlichen Themen in der Schulzeit, der negative Ruf eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums als besonders schwierig und langwierig sowie der Umstand, dass Naturwissenschaftler und Techniker, die alle Voraussetzungen erfüllen, um leitende Positionen bis an die Spitze von Unternehmen zu bekleiden, trotz ihrer hohen Qualifikation zweite Wahl bleiben, und nicht zuletzt das wenig ausgeprägte Image des Technikers bildeten den "roter Faden" der gesamten Veranstaltung.

Dr. Georg Antesberger, Vorstandsmitglied von Siemens Österreich, kritisierte, dass Industrie und Experten bereits seit Jahren vor dieser Entwicklung warnen, betonte aber auch, dass der Mangel an Fachkräften je nach Unternehmen unterschiedlich stark wahrgenommen werde. Siemens pflege die Kontakte zum technisch-naturwissenschaftlichen Nachwuchs bereits über Schulen und Universitäten, darüber hinaus gebe es spezielle Programme, um junge Ingenieure ins Unternehmen zu holen.

Die Attraktivität eines technisch-wissenschaftlichen Studiums und die damit verbundenen Berufschancen müssen geeigneter vermittelt werden, meinte SC Mag. Friedrich Faulhammer vom BMWF, und forderte die Technischen Universitäten auf, verstärktes Marketing - vor allem unter den Maturantinnen - zu betreiben.

Die EU habe im Zuge ihrer Lissabon-Strategie die Bereiche Bildung, Forschung und Entwicklung als die Schlüssel-Handlungsfelder für Europa erkannt, führte Ing. Mag. Peter Koren, Stv. Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), aus. Die Sicherung des Wachstums und Wohlstands in Europa kann nur bildungsbasiert sein. Laut einer aktuellen Studie der IV ist jedoch für 2010 bei einer Gesamtanzahl von 4300 Absolventinnen und Absolventen eines technisch-naturwissenschaftlichen Studiums eine jährliche Lücke von 1000 Graduierten zu erwarten. Um diese Lücke zu schließen, fordere die IV die Öffnung des österreichischen Arbeitsmarktes für internationale Spitzenkräfte.

Prof. Dr. Michael Muhr, Vizerektor für Lehre und Studien an der TU Graz, ging auf die geänderte Anforderungsprofile für Ingenieure ein, dennoch sei es wichtig zu beachten, dass im Studium zuerst eine hochstehende Qualifizierung im Fachbereich stattfinde und erst danach die heute erforderlichen Zusatzqualifikationen vermittelt werden. Muhr sieht in diesem Zusammenhang das neue Studiensystem mit Bachelor- bzw. Master-Abschluss skeptisch, da in drei Studienjahren (Bachelor) keine fundierte ingenieurwissenschaftliche Ausbildung erfolgen könne.

In Deutschland beträgt der jährliche Bedarf an Elektroingenieuren laut VDE-Prognosen über 10.000 Personen, wobei die Absolventenzahl deutlich darunter liege, rechnete Prof. Dr. Josef Nossek vor. Dennoch wäre es keinesfalls eine Lösung, Abstriche bei der Qualität der Ausbildung zu machen, um mehr Ingenieure zu erhalten. Der vorherrschende globalisierte Wettbewerb könne nur mit exzellentem Ingenieurwissen gewonnen werden.

Als Vertreter eines KMU mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Exportanteil von 98 % brach Dipl.-Ing. Hans-Jörg Schweinzer, Geschäftsführer von LOYTEC electronic, eine Lanze für den Wirtschaftsstandort Österreich. Anders als sonst in der Branche habe sein Unternehmen keine Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu rekrutieren, wenn dies auch sehr oft über persönliche Kontakte erfolge. Es sei auch Aufgabe des Arbeitgebers, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, eine entsprechende Entlohnung sei Bedingung.

Schwieriger stelle sich das Recruiting bei arsenal research dar, wie Geschäftsführer Dipl.-Ing. Anton Plimon ausführte. Der Bedarf an Top-Forschern lässt sich derzeit nur zu einem Drittel mit österreichischen Ingenieuren decken, zwei Drittel der Fachkräfte stammen u. a. aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Italien oder dem ehemaligen Jugoslawien.

Vorschläge zur Lösung der Problematik
In jedem Fall könne nicht früh genug angesetzt werden, um einen positiven Zugang zu technisch-naturwissenschaftlichen Themen unter den Heranwachsenden zu fördern. Die Verbesserung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Schulbildung wäre ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung.
Darüber hinaus müsse auch der Arbeitsmarkt in Österreich attraktiver gemacht werden, um das Abwandern hochqualifizierter Ingenieurinnen und Ingenieure ins Ausland zu verringern und gleichzeitig auch für ausländische Spitzenkräfte interessant zu sein. Eine große Herausforderung sei es auch, das Image des Ingenieurs in der Gesellschaft zu heben. Dabei seien die Politik und die Medien gefordert. Aber auch technisch-wissenschaftliche Verbände wie der OVE sollen mithelfen, so Dr. Rabensteiner, einen verstärkten Zugang junger Menschen in technisch-naturwissenschaftliche Ausbildungsrichtungen zu fördern, denn sich auf die Facharbeiter Chinas und das große Ingenieurpotenzial Indiens zu verlassen, wäre wohl die falsche Strategie, um den Technikermangel in unserer Region zu beheben.

Audiofiles:
Koren1
Koren2
Antesberger
Faulhammer
Muhr

Bilder:

Dipl.-Ing. Peter Reichel (li.), Generalsekretär des OVE, eröffnet die Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Gästen (v.l.n.r.): Dr. Georg ANTESBERGER, Mitglied des Vorstands der Siemens AG Österreich, Sektionschef Mag. Friedrich FAULHAMMER, BMWF, Leiter der Sektion Universitäten und Fachhochschulen, Stv. Gen.-Sekr. Ing. Mag. Peter KOREN, Industriellenvereinigung, Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Dr. techn. Günther RABENSTEINER, Verbund-APT, Präsident des OVE und Präsident von EUREL, Moderator Mag. Roman Rafreider, O. Univ.-Prof. Dr. techn. Josef A. NOSSEK, TU München, Präsident des VDE, Geschäftsführer Dipl.-Ing. Anton PLIMON, arsenal research, O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Dr. h.c. Michael MUHR, TU Graz, Vizerektor für Lehre, Geschäftsführer Dipl.-Ing. Hans-Jörg SCHWEINZER, LOYTEC electronics GmbH (HighRes)
Die Gäste am Podium:
Dr. Georg ANTESBERGER, Mitglied des Vorstands der Siemens AG Österreich, Sektionschef Mag. Friedrich FAULHAMMER, BMWF, Leiter der Sektion Universitäten und Fachhochschulen, Stv. Gen.-Sekr. Ing. Mag. Peter KOREN, Industriellenvereinigung, Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Dr. techn. Günther RABENSTEINER, Verbund-APT, Präsident des OVE und Präsident von EUREL, Moderator Mag. Roman Rafreider, O. Univ.-Prof. Dr. techn. Josef A. NOSSEK, TU München, Präsident des VDE, Geschäftsführer Dipl.-Ing. Anton PLIMON, arsenal research, O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Dr. h.c. Michael MUHR, TU Graz, Vizerektor für Lehre, Geschäftsführer Dipl.-Ing. Hans-Jörg SCHWEINZER, LOYTEC electronics GmbH
(HighRes)
Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Dr. techn. Günther RABENSTEINER, Verbund-APT, Präsident des OVE und Präsident von EUREL, Moderator Mag. Roman Rafreider (HighRes)
Dr. Georg ANTESBERGER, Mitglied des Vorstands der Siemens AG Österreich, Sektionschef Mag. Friedrich FAULHAMMER, BMWF, Leiter der Sektion Universitäten und Fachhochschulen, Stv. Gen.-Sekr. Ing. Mag. Peter KOREN, Industriellenvereinigung (v.l.) (HighRes)
Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Dr. techn. Günther RABENSTEINER, Verbund-APT, Präsident des OVE und Präsident von EUREL, Moderator Mag. Roman Rafreider, O. Univ.-Prof. Dr. techn. Josef A. NOSSEK, TU München, Präsident des VDE (v.l.)(HighRes)
Geschäftsführer Dipl.-Ing. Anton PLIMON, arsenal research, O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Dr. h.c. Michael MUHR, TU Graz, Vizerektor für Lehre, Geschäftsführer Dipl.-Ing. Hans-Jörg SCHWEINZER, LOYTEC electronics GmbH (v.l.)(HighRes)

 

Über den OVE
Der Österreichische Verband für Elektrotechnik (OVE) repräsentiert alle Bereiche der Elektrotechnik und Informationstechnik und vertritt die Interessen seiner Mitglieder sowie der gesamten Branche auf nationaler und internationaler Ebene. Seine Kerngebiete sind die elektrotechnische Normung, die Zertifizierung, die Blitzortung und Blitzforschung sowie die fachliche Aus- und Weiterbildung. Der OVE ist der offizielle österreichische Vertreter bei IEC und CENELEC, den internationalen und europäischen Normungsorganisationen für die Elektrotechnik. Der OVE steht für die Förderung der Wissenschaft, die Vertretung des Berufsstandes des Elektrotechnikers und für die Sicherheit von elektrotechnischen Anwendungen. Die Aktivitäten seiner Fachgesellschaften dienen dem Erfahrungsaustausch, dem Aufbau von Expertennetzwerken und der Imagebildung.

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