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Das Thema Energie bewegt die Menschheit
e&i-Interview mit Dipl.-Ing. Dr. Susanna Zapreva-Hennerbichler |
Dipl.-Ing. Dr. Susanna Zapreva-Hennerbichler ist seit März 2009 Geschäftsführerin von Wien Energie – Wienstrom und damit für einen Umsatz von ca. 900 Mio. Euro pro Jahr sowie für 3.000 Mitarbeiter verantwortlich. Die e&i sprach mit ihr über die speziellen Herausforderungen eines städtischen Energieunternehmens, Elektromobilität und Initiativen, um mehr Mädchen für technische Berufe zu begeistern.
e&i: Die Energieversorgung von Städten ist ein bedeutendes Thema. Was sind die spezifischen Herausforderungen eines städtischen Energieversorgungsunternehmens im Vergleich zu EVU im ländlichen Bereich?
Dipl.-Ing. Dr. Susanna Zapreva: Mit dem Thema Energie ist unmittelbar die „Klimaproblematik“ verknüpft. Weiters zählen Versorgungssicherheit und Mobilität zu den Herausforderungen. Egal, ob man international oder in einer Stadt tätig ist – die Themen in der Energiewirtschaft sind global.
e&i: Und die Lösungsansätze?
Zapreva: Ein Spezifikum eines städtischen EVUs ist natürlich, dass wir – in Bezug auf regenerative Energien – z. B. nicht mitten in Wien Windräder aufstellen können. Wir müssen in der Stadt auf Energieeffizienz setzen und auf regenerative Energiequellen außerhalb der Stadt: Wind im Norden, Sonne im Süden und Wasser in den Alpenregionen.
e&i: Sie sind seit März des Jahres Geschäftsführerin von Wien Energie – Wienstrom, einer Tochtergesellschaft von Wien Energie, und unter anderem verantwortlich für Beteiligungen, Erzeugung, Vertrieb und Telekommunikation. Welche Projekte verfolgen Sie derzeit?
Zapreva: Unsere Schwerpunkte liegen im Bereich Erzeugung. Wir haben heuer bereits ein 700-MW-Kraftwerk – eine Kraftwärmekopplungsanlage – in Betrieb genommen. Die nächste, mit einer Leistung von 400 MW, ist in Planung. Für mich persönlich spielt auch die kontinuierliche Weiterentwicklung unseres Kundenservices eine zentrale Rolle.
e&i: Die Aspekte Klimaziele, Versorgungssicherheit, Mobilität scheinen fast unlösbare Gegensätze darzustellen. Welche Möglichkeiten hat Wienstrom bzw. ein städtisches EVU, hier einen Beitrag zu leisten?
Zapreva: Im Grunde genommen gibt es drei Eckpfeiler, auf die wir setzen: Zum einen ist es die Erzeugung, die wir möglichst effizient gestalten müssen. Gerade in der thermischen Erzeugung gibt es große Unterschiede in Bezug auf den Wirkungsgrad: Ein weiterer Schwerpunkt ist die Effizienz beim Endverbraucher. Da reichen unsere Bemühungen von bewusstseinsbildenden Maßnahmen bis zu konkreten Projekten, die wir beim Kunden durchführen. Der dritte Eckpfeiler ist das Thema Innovation. Wir haben z. B. ein Kraftwerk ertüchtigt, indem wir vor die 30 Jahre alte Dampfturbine zwei neue Gasturbinen geschaltet und Fernwärmeauskopplung umgesetzt haben. Dieses Projekt ist europaweit einzigartig.
e&i: Schlagworte wie intelligente Stromzähler, Smart Grids, E-Energy finden sich derzeit in den Medien. Gibt es bei Wienstrom diesbezügliche Projekte?
Zapreva: Ja, selbstverständlich. Das Thema „Smart Metering“ ist durch die aktuellen europäischen Richtlinien und das dritte Liberalisierungspaket brisant. Darin ist vorgesehen, dass jedes Land auf nationaler Ebene entscheidet, ob es dieses Konzept einführt oder nicht. Bei Einführung gilt die Vorgabe, 80 % der Kunden bis zum Jahr 2020 einzubeziehen. Dazu laufen bei uns entsprechende interne Untersuchungen punkto Wirtschaftlichkeit.
e&i: Das Schlagwort „Elektromobilität“ ist momentan in aller Munde. Wie sehen Sie die zukünftige Mobilität im städtischen Bereich?
Zapreva: In Wien sind wir in Bezug auf den öffentlichen Verkehr sehr gut positioniert, dennoch, den Individualverkehr werden wir nie ganz ersetzen können. Für mich gibt es dabei zwei wesentliche Stoßrichtungen: Die Elektromobilität ist ein aktuelles Thema, da sehe ich einige Herausforderungen auf uns zukommen. Ich sehe einen breiten Einsatz von Elektroautos eher als langfristigere Alternative. Kurzfristig, glaube ich, werden sich Erdgasautos durchsetzen. Damit setzen wir bereits erste Effizienz steigernde und Klima schonende Maßnahmen. Erdgasautos stoßen um 20 % weniger Kohlendioxid und sogar um 85 % weniger Stickstoffoxide aus als konventionelle Autos. Auch der Partikelausstoß ist um 90 % geringer. Der Umstieg auf gasbetriebene Fahrzeuge wäre bereits kurzfristig und ohne Einbuße an Komfort machbar. Längerfristig ist die Elektromobilität die beste Lösung. Diese wird sich meiner Meinung nach erst dann richtig durchsetzen, wenn es keine Verminderung des Komforts wie Platzangebot, Geschwindigkeit, Reichweite etc. gibt.
e&i: Nach der Matura haben Sie sich für das Studium der Elektrotechnik an der TU Wien entschieden. Was war entscheidend für die Wahl eines technischen Studiums?
Zapreva: Mich hat das Thema Energie schon von Kindheit an interessiert. Mit 18 Jahren kam noch der Idealismus dazu, einen Beitrag zur Lösung der Energieprobleme dieser Welt zu leisten. Wobei ich glaube, dass man die eigentliche Richtungswahl insgeheim viel früher trifft. Das hängt meiner Meinung nach sehr stark davon ab, wie man aufgewachsen ist, welche Möglichkeiten man als Kind gehabt hat, eigene Interessen auszuleben. Vielleicht haben meine Eltern – mein Vater ist ebenfalls Elektrotechniker – dieses Interesse geschickt gelenkt.
e&i: Nach Abschluss Ihres Diplomstudiums setzten Sie Ihre Laufbahn als Universitätsassistentin an der TU Wien fort und haben zum Thema „Transit- und Engpassmanagement in elektrischen Übertragungsnetzen im liberalisierten Markt“ dissertiert. Eine wissenschaftliche Karriere hätte Sie nicht gereizt?
Zapreva: Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, eine wissenschaftliche Laufbahn hätte mich also durchaus interessiert. Aber es hat sich dann so ergeben, dass ich bereits neben meiner Assistententätigkeit zahlreiche Projekte für die österreichische Energiewirtschaft betreut habe. Als ich gerade mit einem Projekt für Wienstrom fertig war und auch meine Dissertation abgeschlossen hatte, habe ich von diesem Unternehmen ein Angebot bekommen. Das war Anfang 2001, also knapp vor der Marktöffnung im Oktober 2001, eine für mich absolut spannende Zeit.
e&i: Vor wenigen Monaten wurden Sie als „Femtech-Expertin“ des BMVIT ausgezeichnet. Mit dieser Initiative werden erfolgreiche Frauen in technischen Berufen vorgestellt, um Mädchen „Role Models“ zu zeigen und sie in der Wahl eines technischen Studiums zu bestärken. Welche Möglichkeiten haben Sie persönlich, solche Initiativen zu unterstützen?
Zapreva: Mein Zugang ist der, einfach mit gutem Beispiel voranzugehen, mit dem, was ich bin und was ich tue. Ich glaube, dass die Entscheidung zu einem technischen Beruf bereits sehr früh getroffen wird. Das passiert, indem Kindern von Anfang an ein positiver Umgang mit Technik und Naturwissenschaften vorgelebt wird. Ich versuche, das auch meinem dreijährigen Sohn und meinem sonstigen Umfeld zu vermitteln.
e&i: Sie haben einen ausfüllenden Beruf und Familie. Bleibt daneben noch Zeit für Hobbys?
Zapreva: Der Ausgleich zum Beruf ist für mich die Zeit, die ich mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen kann. Früher hatte ich auch noch Zeit, laufen oder schwimmen zu gehen oder Klavier zu spielen. Dafür ist jetzt nicht mehr viel Platz, aber ab und zu schaffe ich es doch noch.
e&i: Vielen Dank für das Gespräch!
Das Gespräch führten Dipl.-Ing. Peter Reichel und Mag. Jutta Ritsch
Das vollständige Interview mit Dipl.-Ing. Dr. Susanna Zapreva-Hennerbichler finden Sie in heft 12.2009 der e&i.
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Dipl.-Ing. Dr. Susanna Zapreva-Hennerbichler |
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uh
03/02/2010 10:18 |
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