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Eine fundierte, wissenschaftlich gut verwurzelte Grundausbildung
e&i-Interview mit O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Adalbert Prechtl |
O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Adalbert Prechtl lehrt und forscht am Institute of Electrodynamics, Microwave and Circuit Engineering der Technischen Universität Wien. Seit 2007 bekleidet er darüber hinaus das Amt des Vizerektors für Lehre. Die e&i sprach mit ihm über die neuen Studienpläne mit Bachelor- und Masterstudium, die Berufschancen für Absolventen einer technischen Universität sowie über den Stellenwert von Aus- und Weiterbildung.
e&i: Die „Presse“ titelte vor ein paar Tagen in einem Artikel über Bachelors: „Bestellt und nicht abgeholt“. Wie beurteilen Sie – speziell aus der Sicht einer technischen Universität – die Situation am Arbeitsmarkt für Absolventen mit diesem Studienabschluss?
O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Adalbert Prechtl: In den meisten Studien an der TU Wien wurde die Bachelor-/Masterstruktur erst Anfang 2006 eingeführt, weshalb uns derzeit noch die Rückkopplung vom Arbeitsmarkt fehlt. Wir sehen unsere Bachelor-Studien als breite, wissenschaftliche und gut verwurzelte Grundausbildung. Die neuen Studien weisen durchaus unterschiedliche Profile gegenüber den früheren Studien auf. Die Chance liegt hierbei vor allem in der erhöhten Flexibilität.
e&i: Welche Erfahrungen hat die TU Wien nach den ersten Jahren mit den akademischen Abschlüssen als Bachelor bzw. Master gesammelt? Wie viele Studierende beenden das Studium tatsächlich bereits mit dem Bakkalaureat, wie viele studieren weiter zum Master bzw. zum Doktorat?
Prechtl: Wir haben bereits erste Zahlen aus der Elektrotechnik und aus der Informatik. In der Elektrotechnik schließen praktisch alle Bachelors das Masterstudium an. In der Informatik liegt die Quote jener, die ein Masterstudium absolvieren, bei etwa 80 %. Gerade in der Informatik konnten wir mit der neuen Studienstruktur einem negativen Trend entgegenwirken. Es gab nämlich sehr viele Studienabbrecher, was damit zusammenhängt, dass man mit einer Grundausbildung in Informatik schon recht gut ins Berufsleben einsteigen kann.
e&i: Die Vorgaben der EU gemäß dem Bologna-Prozess betreffen auch eine größere Durchgängigkeit der Ausbildung u. a. zwischen Fachhochschulen und Universitäten. Dennoch sind beide Institutionen unterschiedlich ausgerichtet…
Prechtl: Im Prinzip ist es so, dass die einzelnen Bildungseinrichtungen ihr jeweiliges Profil entwickeln und auch kontinuierlich an diesem Profil arbeiten müssen. Für uns bedeutet das, dass wir den universitären Charakter der Studien nicht verlieren dürfen. Die Bachelorstudien an den Universitäten sind prinzipiell wissenschaftliche Grundstudien, die breit angelegt sind. Wir vermeiden hier eine vorzeitige Spezialisierung. An den Fachhochschulen sind die Studien stärker spezialisiert.
e&i: Das Idealbild nach dem Bologna-Prozess wäre, mit einem Bakkalaureatsabschluss ins Berufsleben einzusteigen und nach einigen Jahren Praxis mit einem berufsbegleitenden Masterstudium die Ausbildung fortzusetzen. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Prechtl: In den mathematischen, naturwissenschaftlichen Bereichen, auch in den klassischen Ingenieurbereichen sehe ich eine dauerhafte Berufsbefähigung fest verbunden mit einer vertiefenden wissenschaftlichen Qualifikation. Ein anspruchsvolles forschungsgeleitetes Masterstudium ist durchaus ein „full-time job“ und lässt sich meiner Meinung nach nicht berufsbegleitend machen.
e&i: Dr. Gerhard Riemer, Bildungsexperte der Industriellenvertretung, fordert eine Strukturdiskussion über das tertiäre Bildungssystem in Österreich. Wie positioniert sich die TU im tertiären Bildungssektor?
Prechtl: Die Forderung nach einer Strukturdiskussion ist ja nun nichts Neues. Wichtig wäre es, von dem derzeitigen System, das auf Berechtigungen, ein Studium zu absolvieren, beruht, zu einem neuen System zu wechseln, das auf Zulassungen beruht. Die aufnehmende Institution sollte entscheiden, wer ein Studium beginnen kann bzw. welche zusätzlichen Erfordernisse noch zu erfüllen sind.
Zur Positionierung der TU Wien im tertiären Sektor: Wir definieren uns über anspruchsvolle und nach internationalen Maßstäben hochwertige Studien, d. h. wir wollen in der Liga der besten Universitäten Europas mitspielen.
e&i: Sie lehren „Theoretische Elektrotechnik“, ein an sich unverzichtbares Gebiet für eine wissenschaftlich orientierte universitäre Ausbildung. Es gibt aber auch Stimmen, die die Notwendigkeit einer theoretischen Grundlagenausbildung hinterfragen. Müssen wir fürchten, dass mittelfristig alles einem berufsorientierten Bachelor untergeordnet wird?
Prechtl: Eines ist klar, die universitären Studien dürfen nicht zu einem „vocational training“ verkommen. Das wird es an der Technischen Universität Wien nicht geben. Unsere Absolventen werden in Bereichen eingesetzt, wo Neues geschieht. Da geht es z. B. in Forschungs- und Entwicklungsbereichen darum, die anzuwendenden Methoden zunächst selber zu entwickeln. Und dazu braucht es einfach eine fundierte wissenschaftliche Grundausbildung. Dazu gehört auch die theoretische Basis.
e&i: Sie waren in der Zeit von 1991 bis 1996 Vizepräsident des Österreichischen Verbandes für Elektrotechnik. Wie beurteilen Sie die langjährige Zusammenarbeit des OVE mit den Technischen Universitäten in Österreich? Was könnte noch verbessert werden?
Prechtl: Ich sehe die Zusammenarbeit des OVE mit der TU Wien durchaus positiv. Auch für die Universitäten ist es wichtig, den Kontakt mit Berufsverbänden aufrecht zu erhalten. Diese Relation hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt.
Eine noch stärkere Zusammenarbeit könnte ich mir sehr gut am Weiterbildungssektor vorstellen. Der OVE bietet ja bereits eine breite Palette an Veranstaltungen an. In diesem Bereich könnte man noch eine stärkere Verbindung herstellen, gegenseitig getragen von Unterstützung in der Organisation, das Nutzen Ihrer Kanäle zur Kommunikation und unserer Expertise auf der anderen Seite.
e&i: Wie verschaffen Sie sich Ausgleich zu Ihrem Beruf? Gibt es Hobbys?
Prechtl: Mit der Übernahme des Vizerektoramtes hat sich meine Lebensqualität schon ein bisschen nach unten bewegt, aber einen gewissen Freiraum muss man sich natürlich schaffen, am besten gemeinsam mit der Familie. Ich wandere gerne, höre sehr gerne Musik, ich lese und warte z. B. immer schon brennend auf einen neuen „Andrea Camillieri“ – diese Krimis lese ich sehr gerne. Und ich koche sehr gerne. Soweit es die Zeit erlaubt, versuche ich auch, kulturell am Ball zu bleiben.
e&i: Vielen Dank für das Gespräch!
Das vollständige Interview mit O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Adalbert Prechtl finden Sie in heft 10.2009 der e&i. Lesen Sie mehr über Bachelor- und Master-Studien sowie über Studierenden-Zahlen und Drop-out-Raten!
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O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Adalbert Prechtl |
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uh
11/11/2009 11:35 |
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