Zu Gast im infozin: Dipl. –Ing. Erwin Smole

Unbundling und Anreizregulierung – Herausforderung und Chancen für die Netzbetreiber

Als auf europäischer Ebene die Liberalisierung der Strommärkte beschlossen wurde, hätte sich damals wohl niemand gedacht, welche massiven Auswirkungen dies auf die einzelnen Unternehmen haben wird.
Mit Unbundling wurden die Netzbetreiber in eigenständige Unternehmen vom Konzern ausgegliedert. Um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen, müssen diese nach außen ebenfalls als eigenständiges Unternehmen auftreten, d.h. mit eigenem CI, eigener Geschäftsführung usw. Die größten Umbrüche sind jedoch in der informationstechnischen Trennung vorzunehmen. Die IT-Systeme wurden nie dafür entwickelt, um getrennt werden zu können. Die Notwendigkeit, dass der Vertrieb nur noch den Datenzugriff auf seine ‚eigenen’ Kunden hat, bringt die Herausforderung in massive Umbauten der IT-Struktur. Hier sind praktikable und auch kosteneffiziente Lösungen gefragt, die eine Umsetzung zu vernünftigen Bedingungen ermöglicht.

Verbunden mit den Änderungen in der IT-STruktur muss auch die Organisation und die Personalstruktur angepasst werden. Während die Organisationsänderungen noch bewältigbar sind, erweist sich gerade die Zuordnung von Mitarbeitern zu neuen Organisationseinheiten, als nicht ganz einfach. Kollegen, die zunächst noch jede Information austauschen mussten, dürfen nach der Unbundlingumsetzung nicht mehr miteinander sprechen. Das führt sogar soweit, dass diese nun auch in getrennten Gebäuden arbeiten müssen. Aus Unbundlingsicht ist zumindest ein getrenntes Stockwerk notwendig.

Den umfangreichen organisatorischen Änderungen der Netzbetreiber steht aber ein laufend geringer werdendes Einkommen gegenüber. Nach dem Beschluss der Anreizregulierung geht es nun jährlich bergab mit den Netztarifen. Seit Einführung der E-Control ging es sowieso schon bergab, aber mit der Anreizregulierung war dies wenigstens kalkulierbar. Wie stark die Kostendegression nach unten geht, hängt neben energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Mengensteigerung, Inflation usw.) vor allem von der eigenen Effizienz ab oder anders gesagt, um wie viel Prozent man schlechter als der Beste (Benchmarkführer) ist. Diese Ergebnisse wurden vor Einführung der Anreizregulierung in einem eignen Benchmarkingverfahren durchgeführt, mit dem Ziel, dass nach einem bestimmten Zeitraum (derzeit 8 Jahre) alle Unternehmen gleich effizient sind.

Jetzt stehen die Unternehmen vor zwei wichtigen Herausforderungen: Wo stecken die eigenen Effizienzpotentiale und was macht der Benchmarkführer? Zum ersten Punkt ist zu sagen, dass eine erste Reduktion des Personals nicht die beste Lösung sein muss. Wenn die Kostenseite richtig analysiert wird, dann zeigt sich in internationalen Vergleichen, dass oft eine kleine Änderung z.B. in der Finanzierung, wesentlich mehr Kosteneffizienz als Personalreduktion bringt. Diese Entscheidungen sind jedoch auf das mögliche Verhalten des oder der Benchmarkführer zu bewerten, denn an ihm wird man gemessen. Dieser steht jedoch unter dem Druck Benchmarkführer zu bleiben, denn wenn nach der jeweiligen Periode die Prüfung ergibt, dass er überholt worden ist, dann muss auch er mit stärker sinken Netztarifen rechnen.

Bei der Analyse der eigenen Potentiale schließt sich auch der Kreis zu Unbundling wieder. In vielen Unternehmen war Unbundling der Auslöser zur Dokumentation der bisherigen Prozesse und der entsprechenden Adaption. Jetzt kann man darauf aufsetzen und diese auf Effizienzpotentiale untersuchen. Zu beachten ist jedoch, dass die Prozessdokumentation bei Netzbetreibern revisionsfest sein soll. In einem weiteren Schritt wird es notwendig werden, die Prozesse auch mit den entsprechenden Kosten zu verknüpfen um die Kosteneffizienz wirklich bestimmen zu können.

Unter Berücksichtigung dieser Punkte zeigen sich die Herausforderungen für Netzbetreiber auch als künftige Chancen. Nach der Umstellung in eigenständige Unternehmen wird klar werden, dass Netzbetreiber eigene Kunden haben und diese Kunden an den Netzbetreiber andere Anforderungen (Service) haben. Analysiert man Länder mit einem ausgeprägten Wettbewerb, so zeigt sich, dass die Netzbetreiber zunehmend zum Servicedienstleister wurden.
(Dipl. –Ing. Erwin Smole)
Lebenslauf
     22/12/2005 13:17


13/08/2010 08:18 
Verband Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT)
Alfred Pufitsch als Präsident gewählt
21/07/2010 08:16 
Kreative Lösung neuer Probleme
e&i-Interview mit O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Gottfried Magerl
07/07/2010 09:51 
Europäischer Pelletverband unter österreichischer Führung
Neu gegründeter Dachverband setzt auf europaweit einheitliche Qualitätsstandards für Pellets
07/07/2010 09:47 
BEA Electrics GmbH erweitert Geschäftsführung
Franz Maurer ist ab sofort als Geschäftsführer für BEA tätig
29/06/2010 09:09 
Berufsfähigkeit, Qualitätssicherung und Mobilität
e&i-Interview mit FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Fritz Schmöllebeck
18/06/2010 09:40 
Siemens AG Österreich
Wolfgang Hesoun folgt Brigitte Ederer
22/04/2010 09:00 
So ausgezeichnet kann Technik sein!
Fünf Jahre „1.000 Euro statt Blumen“
15/04/2010 08:52 
oekostrom AG
Neue Führung
13/04/2010 12:25 
Gut ausgebildete Studierende als Garant für die Zukunft
e&i-Interview mit Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Dr. h.c. Michael Muhr
16/03/2010 12:11 
Wissenschaftliche Projekte auf den Boden bringen
e&i-Interview mit Mag. Dipl.-Ing. Dr. Brigitte Bach, MSc.